Le Beaujolais nouveau est arrivé

»Der neue Beaujolais ist angekommen«, schrieben die Wirte der Lyoner Bistrots und Bouchons schon in früheren Zeiten mit Kreide auf die Fensterscheiben. Er wurde von ihrer stets durstigen Kundschaft mit großer Begeisterung begrüßt, musste sie doch jeden Tag aufs neue den feinen Staub aus den Seiden und Textilfabriken herunterspülen.

Dazu muss man wissen, dass sich die Bistrotiers früher selbst im Beaujolais mit ihrem Jahresbedarf an Weinfässern eindeckten und den Wein offen ausschenkten. In einer Epoche, in der moderne Weinwissenschaft und Kellertechnik noch unbekannt waren, litt die Qualität des Hausweins im Verlauf des Jahres jedoch ganz erheblich, und die so köstlichen fruchtig-frischen Aromen gehörten bereits längst der Vergangenheit an, wenn der neue Wein eintraf. Das erklärt auch, warum man ihn dann bei seinem Erscheinen geradezu enthusiastisch feierte. Seinen großen Durchbruch erfuhr der Primeur 1968 in Paris. Von dort begann er dann nach und nach die ganze Welt zu erobern, Über Jahre lieferten sich Weinhändler und Gastwirte erbitterte Wettläufe, um als erste ihren Kunden den neuen Beaujolais anbieten zu können. Doch dann wurde gesetzlich festgelegt, dass er überall erst am dritten Donnerstag im November erstmals ausgeschenkt werden darf. Das galt auch für seine Konkurrenten aus den anderen französischen Appellationen, wohingegen die Landwein-Primeurs genau einen Monat früher ausgeliefert werden dürfen.

Der Erfolg des Beaujolais Nouveau war einerseits einer Handvoll Winzer und Weinkenner zu verdanken, die sich mit Kopf und Herz dafür engagierten, zum anderen aber den großen Fortschritten in Vinifikation und Kellerausstattung. Auf kontrollierter Temperatur vergoren und mit durchgeführtem biologischem Säureabbau bewahrt er seine sauberen Fruchtnoten und ist bekömmlich, was er anno dazumal nicht immer gewesen sein soll. Obwohl die Winzer des Beaujolais und Beaujolais-Villages dank des Primeur - er stellt heute zwei Fünftel aller 173 Millionen Flaschen des Beaujolais - auf schnelle Weise zu ihrem Geld gelangen, hat dieser an sich begrüßenswerte Erfolg auch seine Schattenseiten. Inzwischen hat sich bei vielen Verbrauchern festgesetzt, dass Beaujolais generell schnell und zum Jahresende getrunken werden sollte. Sie scheinen dabei vollkommen vergessen zu haben, dass die eigentlichen Beaujolais-Weine, vor allem aber die Crus, ein oder mehrere Jahre Flaschenreife verdienen und dann eine größere Weinqualität bieten, für die höhere Preise gerechtfertigt sind.

 

Appellationsstufen des Beauiolais

AOC Beaujolais und Beaujolais Supérieur:
Die südliche Hälfte des Anbaugebiets sowie die niedrigeren östlichen Lagen. In 72 Gemeinden stehen ca, 10400 ha in Ertrag, bei einem erlaubten Höchstertrag von 66 hl pro Hektar und einem Mindestalkoholgehalt von 9,5 % bzw. für Supérieur 10 %. Jährlich werden 640000 hl erzeugt. Für Weißwein ist Chardonnay zugelassen.

AOC Beaujolais-Villages:
Ihr Gebiet liegt nordwestlich von Villefranche, um Beaujeu und an der nordwestlichen Grenze des Beaujolais. Die 39 Gemeinden besitzen das Recht, den Begriff Villages durch den eigenen Namen zu ersetzen. Auf knapp 6100 ha werden bei einem Höchstertrag von 60 hl und mindestens 10 % Alkohol pro Jahr etwa 350000 hl vinifiziert. Auch hier liefert Chardonnay den raren Weißwein.

AOC Cru du Beaujolais:
Auf dem Streifen zwischen Mont-Brouilly und dem Maconnais liegen die aus Granit und Schiefer bestehenden Hänge der Topweine, deren Höchstertrag auf 58 hl begrenzt ist und die 10-10,5 % Mindestalkohol aufweisen müssen. Von Süden nach Norden: Brouilly (1280 ha), Cote de Brouilly (315 ha), Régnié (630 ha), Morgon (1125 na), Chiroubles (360 ha), Moulin-à-Vent (610 ha), Fleurie (835 ha), Chénas (270 ha), Juliénas (585 ha) und St-Amour (290 na), insgesamt 6300 ha, die im Schnitt 360000 hl erbringen.

 

 

 

Foto:Windrose/pixelio

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